Linker Journalist und Buchautor verläßt ausgetretene Pfade
12.01.2009 | von Redaktion | Kategorie: Aktuelle MeldungenDer linke Journalist und Buchautor Jürgen Elsässer ist immer wieder für eine Überraschung gut. War er noch in den neunziger Jahren einer der bekanntesten Sprecher der sogenannten Antideutschen, haben sich seine Positionen seit 2002 schrittweise verändert.
So schreibt der freie Journalist seinen Genossen heute Dinge ins Stammbuch, die ihnen überhaupt nicht gefallen dürften: Sie machten gemeinsame Sache mit der Großindustrie, welche via Einwanderung „zum Angriff auf das Lohnniveau und den Sozialstaat“ bläst und Immigranten als „Waffe gegen das inländische Proletariat“ einsetzt.
In seinem aktuellen Buch „Angriff der Heuschrecken. Zerstörung der Nationen und globaler Krieg“, spricht Elsässer deutlich aus, was er von seinen Genossen verlangt: „Statt sich auf die Probleme von Randgruppen zu kaprizieren, sollten sie mit einer populistischen Strategie die Politikverdrossenen ansprechen, die die anderen Parteien längst aufgegeben haben. Alle Macht dem Volke, verjagt die Heuschrecken, Schluß mit der Unterordnung unter die US-Kriegspolitik – das ist die Melodie, die die Verhältnisse zum Tanzen bringen wird.“ Der internationalen Solidarität nütze nicht die Schwächung der Nationen, „sondern ihre Verteidigung und Stärkung“. Viel Gegenliebe ist angesichts solcher Stellungnahmen von seinen Noch-Freunden allerdings nicht zu erwarten.
Nun hat Elsässer eine „Volksinitiative gegen Finanzkapital“ ins Leben gerufen. Am vergangenen Wochenende stellte er der Öffentlichkeit seine neugegründete Initiative vor. Schon im Vorfeld dieser Veranstaltung hatte der sozialistische Querdenker die Denkansätze seiner Volksinitiative einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Seine Thesen verdienen durchaus auch nationale Beachtung.
Elsässer schlägt sich auf die Seiten der Nationalstaaten und erteilt supranationalen Kunstgebilden eine klare Absage. Er schreibt in seiner Standortbestimmung: „Bei der Abwehr dieses Angriffs (des anglo-amerikanischen Finanzkapitals – Anm. Red.) spielt der Nationalstaat die entscheidende Rolle. Supranationale Koordinationen in Gremien, in denen die aggressiven Staaten und ihre Vertreter eine Rolle spielen (EU, G8, IWF usw.), sind für die Katz. Wichtig ist eine Koordination der angegriffenen Nationalstaaten.“
Interessant in diesem Zusammenhang dürfte auch die Absage Elsässers an den Klassenkampf, eine der Grundlagen kommunistischer Utopien, sein. Das ehemalige Mitglied einer bundesdeutschen K-Gruppe stellt fest: „Die Reduktion auf Klassenkampf ist sektiererischer Unsinn.“ Ihm schwebt als Alternative der „Aufbau einer Volksfront, die das national bzw. ‚alt-europäisch’ orientierte Industriekapital einschließt“ vor.
Mit dieser Forderung erneuert Jürgen Elsässer seine Vorstellungen, die er schon 2007 in der Zeitschrift „Galore“ erhoben hat, als er schrieb: „Es muß eine Koalition zur Verteidigung der nationalen Souveränität geben – von links bis zur demokratischen Rechten“. Die nun gegründete Volksinitiative wird der Test dafür werden, ob es Jürgen Elsässer mit seinen Thesen ernst meint, indem er seine Initiative auch für Rechte öffnet.
Zumindest innerhalb der NPD-Fraktion in Sachsen ist die „Volksinitiative gegen Finanzkapital“ auf Interesse gestoßen. So stellt der Fraktionsvorsitzende Holger Apfel in einer Presseaussendung fest: „Der Gründungsaufruf von Jürgen Elsässer für eine Volksinitiative gegen Finanzkapital ist ein bemerkenswertes Signal. Jürgen Elsässer betätigt sich als Eisbrecher, der auf nationaler Grundlage den Dualismus von Rechts und Links durch die Schaffung einer antiglobalistischen und antiimperialistischen Gerechtigkeitsbewegung überwinden will. Mit den Forderungen, die er in seinem Gründungsaufruf vertritt, hat er sich NPD-Positionen nicht angenähert, nein, er vertritt NPD-Positionen.“
Apfel weiter: „Ich wünsche Jürgen Elsässer für die Gründung seiner ‚Volksinitiative gegen Finanzkapital‛ viel Glück! Er kann sich der konstruktiven Begleitung seines Projekts durch die NPD sicher sein.“
Widerstand gegen die Positionen Elsässers formiert sich hingegen in seinen eigenen Reihen. So warf die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Petra Pau, dem streitbaren Journalisten Populismus, Nationalismus und Homophobie“ vor. Sie bezog sich damit auf eine Interview Elsässers mit der kommunistischen Zeitschrift „Junge Welt“, in dem er gesellschaftskritisch feststellte: „Mit Staatsknete wird Multikulti, Gender-Mainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.”
Nach der Gründung der Volksinitiative legte Petra Pau noch einmal nach, in dem sie ätzend verkündet, diese Parolen seien nicht links, sondern originär rechts, und sie hätten auch schon eine politische Heimat – die NPD.
Während Frau Pau sich noch über die Aussagen Elsässers echauffiert, haben andere Genossen schon am gestrigen Abend die Initiative ergriffen. Während der angekündigten Vorstellung der Volksinitiative drangen fünf Männer gegen 23.15 Uhr in das Veranstaltungslokal ein und griffen Teilnehmer mit Flaschen und Barhockern an. Mindest zwei Personen wurden schwer verletzt und mußten sich in ambulante Behandlung begeben. Wieder einmal hat die politische Linke in Deutschland damit unter Beweis gestellt, was sie unter Diskussionskultur versteht. Spätestens nun müßte dem nationalen Sozialisten Jürgen Elsässer klar sein, daß er bei seinen eigenen Gesinnungsgenossen auf der Abschußliste steht. In seiner Einladung zum Treffen hatte er noch geschrieben: „Diskussionsbeiträge zu den Kurzthesen sind schon jetzt hochwillkommen.“









