Ostpreußen – die verspielte Chance
02.07.2010 | von Dr. Kersten Radzimanowski | Kategorie: DeutschlandUnglaublich: Wie die Kohl-Regierung Deutschlands Vereinigung hintertrieb
Im Osten hat Deutschland keine Feinde«, sagte einst Bismarck im Blick auf den russischen Verbündeten. Lang ist es her, daß diese Worte ihre Gültigkeit besaßen, obwohl Rußland 1990 und danach immer wieder Versuche unternommen hat, das aus den »Bruderkriegen« schwer beschädigte deutsch-russische Verhältnis auf einen neuen Sockel des Vertrauens zu stellen.
So schreibt der russische Generalleutnant Klokotow in seinem 1997 erschienenen Buch »Die geopolitische Zukunft Rußlands«: »Heute stellt sich Deutschland als ein wirtschaftlicher Gigant dar und erweist sich als ein politischer Zwerg. Rußland ist ungefähr das Gegenteil: ein politischer Gigant und ein wirtschaftlicher Krüppel. Die Achse Moskau-Berlin würde die Leiden beider Länder heilen und Rußland und Deutschland eine verheißungsvolle Perspektive bieten.«
Als eine Grundvoraussetzung dafür sieht der russische Geopolitiker die Beendigung der Annexion Ostpreußens (Königsberg) durch Rußland. Dabei handelt es sich nicht um die irrwitzige Ansicht eines durchgeknallten Militärs, sondern ist vielmehr Teil strategischer Überlegungen einer reformorientierten russischen Elite, die Rußland nicht wie einst unter Jelzin den US-amerikanischen Konzernen und jüdischen Banken ausliefern wollen.
Kein geringerer als Michail Gorbatschow soll 1991 der Bundesregierung angeboten haben, für 70 Milliarden D-Mark das Königsberger Gebiet an Deutschland zurückzugeben. Daß ein ähnliches Angebot bereits im Prozeß der deutschen Vereinigung auf den Tisch kam, hat das Auswärtige Amt bislang stets unter den Teppich gekehrt. Ende Mai ließ der Spiegel nun diese Bombe platzen.
»Frage des nördlichen Ostpreußen«
Demnach signalisierte der sowjetische Generalmajor Geli Batenin im Sommer 1990 gegenüber einem Bonner Diplomaten Interesse an Verhandlungen über den sowjetischen Teil Ostpreußens. Das geht aus einem geheimen Fernschreiben der Botschaft in Moskau vom 2. Juli 1990 hervor. Batenin traf sich mit Joachim von Arnim, dem Leiter des politischen Referats der Botschaft. Dem Fernschreiben zufolge erklärte Batenin, es gebe eine »Frage des nördlichen Ostpreußens« und fügte hinzu: «Dieses Problem werde sich für die Sowjetunion und Deutschland über kurz oder lang stellen.«
Der deutsche Diplomat Arnim antwortete ganz im Sinne von Kohl und Genscher mit dem Hinweis, die Bonner Haltung sei bekannt: »Bei der Vereinigung gehe es um die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und das ganze Berlin.« Wenn die Sowjetunion »Probleme mit der Entwicklung des nördlichen Ostpreußens habe, so sei das ihre Sache.«
Die Bombe, die der Spiegel platzen ließ, stellte sich als Blindgänger heraus. Die Detonation ließ weder Regierung noch Systemparteien erzittern – jegliche Resonanz auf den Sprengsatz blieb aus. Die Systemmedien nahmen diesen ungeheuerlichen Hochverrat der Regierung Kohl und Genscher am deutschen Volk wohlweislich nicht zur Kenntnis.
Das erspart Probleme mit der jetzigen schwarz-gelben Regierung und scheint die Deutschen ohnehin nicht zu interessieren. Die mühen sich eher darum, wie sie ihre Euros am schnellsten zu den Schuldenstaaten und Großbanken in Griechenland, Frankreich, Spanien oder Italien schaffen. Soviel Solidarität muß eben sein…
Unser Autor Dr. Kersten Radzimanowski war letzter geschäftsführender Außenminister der DDR.









