Operation »Weißdorn« – auf dem Geistersegler nach Südafrika
02.03.2009 | von Redaktion | Kategorie: Zeitgeschichte / GeschichteRobey Lebbrandt: ein burischer Boxer gegen das britische Empire
Als am 20. Juni 1941 ein Mann mit dem Decknamen Walter Kempf an der südafrikanischen Küste in Mitchell Bay nördlich von Kapstadt an Land ging, ahnten die Briten und ihre südafrikanischen Helfer nicht, mit welchem Mut und welcher Entschlossenheit Walter Kempf für die Freiheit der Buren und gegen England ankämpfen würde.
Wer war Walter Kempf? Tatsächlich handelte es sich um den Buren Robey Leibbrandt, der am 25. Januar 1914 in Potchefstroom in Transvaal (seit 1910 zur Südafrikanischen Union gehörend) geboren wurde. Leibbrandts Familie war von deutscher Abstammung und bereits im 18. Jahrhundert nach Südafrika ausgewandert. Diese alte burische Familie hatte schon im Burenkrieg von 1899 bis 1902 hartnäckig gegen die britischen Eindringlinge gekämpft.
Von Deutschland fasziniert
Robey Leibbrandts Vater war Führer eines Burenkommandos, das bis zur letzten Patrone gegen die Engländer gekämpft hatte. Viele Angehörige der Familie Leibbrandt hatten die englischen Konzentrationslager erlebt und hatten sich nie mit der Besetzung Transvaals durch die Engländer abgefunden. In diesen burischen, bodenständigen Sippen wuchs der junge Robey Leibbrandt auf.
Als Boxer wurde er bereits in den 30er Jahren über Südafrika hinaus bekannt. 1934 gewann er bei den British Empire Games in London die Bronzemedaille im Halbschwergewicht. Im Jahre 1936 vertrat er sein Land bei den Olympischen Spielen in Berlin. Er kam bei den Boxwettkämpfen in seiner Gewichtsklasse unter die letzten vier, konnte aber aus Gesundheitsgründen nicht zum Kampf um die Bronzemedaille gegen Francisco Risiglione antreten.
Die Olympiade im Deutschen Reich wurde zum Wendepunkt in Robey Leibbrandts Leben. Er war zutiefst beeindruckt davon, wie sich das deutsche Volk entwickelt hatte. Für ihn stellte sich die Lage so dar: nach dem durch Verrat verlorenen Ersten Weltkrieg und der Versklavung durch das Versailler Diktat hatte sich Deutschland zu neuer Größe, Macht und Freiheit erhoben. Leibbrandt zog Parallelen zum burischen Volk und dem verlorenen Burenkrieg. Er wollte eine ähnliche Entwicklung, ein »nationales Erwachen« in Südafrika einleiten.
Zurückgekehrt nach Südafrika, begann er sofort in diesem Sinne tätig zu werden. Am 31. Juli 1937 wurde er südafrikanischer Meister im Schwergewicht, nachdem er in Johannesburg Jim Pentz geschlagen hatte.
Im Jahre 1938 reiste Leibbrandt nach Berlin, um an der Reichssportschule in Berlin zu studieren. Bei Ausbruch der Krieges mit Polen hätte Leibbrandt als »Bürger« des britiischen Empires nach Südafrika zurückkehren müssen. Doch er blieb in Deutschland.
Freiwillig meldete er sich zur Fallschirmtruppe der Wehrmacht. In Stendal wurde er zum Fallschirmjäger ausgebildet und bekam das Fallschirmschützenabzeichen, den stürzenden Adler, verliehen. Zusätzlich erhielt er eine Kurzausbildung als Gleiterpilot.
Nach heutigem Forschungsstand ist Robey Leibbrandt der erste Südafrikaner, der zum Fallschirmjäger ausgebildet wurde.
Da die südafrikanische Regierung unter General Smuts an der Seite Großbritanniens in den Krieg gegen Deutschland eingetreten war, entwickelte die deutsche Abwehr einen Plan für den Aufbau einer nationalsozialistischen Bewegung in Südafrika. Diese Bewegung sollte die englandfreundliche Smuts-Regierung stürzen. Leibbrandt wurde durch den Chef der Abteilung Abwehr II, Oberst von Lahousen, in das Vorhaben eingewiesen. Er war sofort von diesem Plan begeistert.
Operation »Weißdorn«
Im April 1941 segelte die Kutterjacht Kyloe von St. Malo an der französischen Atlantikküste in einem Nonstop-Törn nach Südafrika. Die Mannschaft bestand aus hocherfahrenen deutschen Seglern, die auf diesen Geisterschiffen Agenten und Nachrichten unter den Augen des Feindes transportierten. Die abenteuerliche Reise führte über Trinidad in 68 Tagen an die südafrikanische Küste nördlich von Kapstadt. In einem Schlauchboot wurde Robey Leibbrandt in der Mitchell Bay an Land gesetzt. Doch in der tückischen Küstenbrandung kenterte sein Boot, er verlor seine gesamte Ausrüstung und konnte sich nur knapp selber retten und stand mit Badehose und Sandalen in Südafrika.
Leibbrandt schlug sich zu Kameraden durch und gründete die »Nationalsozialistischen Rebellen«. In den Weiten Südafrikas wurden die Männer für den Freiheitskampf der Buren ausgebildet. Ein Zusammengehen mit der »Ossewabrandwag« unter Führung von Johannes von Rendburg unterblieb, da sich die beiden Männer nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten.
Bereits vier Wochen später schlugen die Rebellen zu. Überall im Norwesten des Landes kam es zu Aktionen gegen die verhaßten Engländer und ihre Helfer. Brücken flogen in die Luft, Fernsprechleitungen wurden zerschnitten, alleingelegene Polizeistationen angegriffen.
Die kaum 50 Mann, die Leibbrandt im Sommer um sich geschart hatte, waren bis zum Herbst auf 1000 Kämpfer angewachsen. Waffendepots wurden überfallen, Sprengstoff aus den zahllosen Bergbauminen beschafft, und immer mehr Buren schlossen sich der Freiheitsbewegung an.
Durch Verrat entdeckt
Doch das Ziel Leibbrandts war hochgesteckt; mit all diesen Aktionen wollte er ein Klima schaffen, in dem sich die Nationalisten Südafrikas gegen die Engländer erheben würden. Die Regierung unter Jan Smuts wurde aufgrund der rasant wachsenden Bewegung Leibbrandts immer besorgter. Durch Infiltration und Verrat wollte man der drohenden Gefahr begegnen. Vorrangiges Ziel war es, »Wilhelm Kempf« auszuschalten.
Leibbrandt selbst plante für den März 1942 den Großangriff auf die Regierung Smuts. Bis dahin wollte er 10.000 Mann unter Waffen haben, um die verhaßte englandhörige Regierung zu stürzen.
Doch es sollte anders kommen. Durch Verrat aus den eigenen Reihen wurde Leibbrandt am 19. Dezember 1941 gefangengenommen. Ein eingeschleuster Agent des britischen Secret Service hatte Leibbrandt enttarnt, und man wußte nun, wer »Wilhelm Kempf« war. Wie ein Lauffeuer breitete sich unter den Buren die Nachricht aus, daß es Leibbrandt war, der den Kampf aufgenommen hatte. Der Regierung war klar, daß es sich um einen äußerst gefährlichen Feind handelte. Wie ein antiker Held konnte er nur durch einen Verräter des eigenen Volkes besiegt werden. Auf seinen Kopf wurde ein Belohnung von 1000 Rand, tot oder lebendig ausgesetzt.
Der Bure Jan Taillard, ein ehemaliger Polizist, der nun eine Farm betrieb, wollte sich die Belohnung verdienen. Er schlich sich bei Leibbrandt ein und wurde dessen Fahrer. Am 19. Dezember informierte Taillard die Behörden die auf einer Landstraße bei Pretoria zugriffen. Robey Leibbrandt, der Hoffungsträger der freien Buren, war gefangen.
Fast ein Jahr lang wurde er verhört und mißhandelt, immer wieder versuchten die Briten die Umstände von Leibbrandts Einsätzen aufzuklären. Doch er hatte nur Spott und Verachtung für seine Feinde übrig.
Im Jahre 1942 wurde er wegen Hochverrat angeklagt. Zu Beginn des Prozesses entbot Leibbrandt den Deutschen Gruß, den viele seiner Kameraden im Gerichtssaal erwiderten. Er lehnte es ab, Angaben zur Sache zu machen, und erklärte, daß er für Volk und Führer gehandelt habe. Leibbrandt wurde wegen Hochverrat zum Tode verurteilt. Er stand auf und rief laut und deutlich in den Gerichtssaal: »Ich grüße den Tod!«
»Keine Gnade«
Die Regierung Südafrikas wagte es jedoch nicht, Leibbrandt hinzurichten, am 11. März 1943 wurde die Todesstrafe in lebenslängliche Haft umgewandelt, und 1948 konnte Robey Leibbrandt im Rahmen einer Generalamnestie für verfolgte Nationalisten das Gefängnis als freier Mann verlassen. Im Jahre 1948 gelang es ihm nach der Haftentlassung, sogar noch zwei Boxkämpfe zu gewinnen. Er heiratete eine junge Frau, lebte als Farmer in Transvaal und gründete eine Familie mit fünf Kindern.
Leibbrandt kämpfte bis zu seinem Tode für seine Ideale. Zum letztenmal wurde er im Jahre 1952 festgenommen, weil er vor einem Kino in Johannesburg eine Menschenmenge aufputschte. In dem Kino lief der Film »Rommel, der Wüstenfuchs«. Im Jahre 1962 gründete er die »Antikommunistische Schutzfront« und war in der burischen Volkstumsarbeit tätig, als Schriftleiter gab er das Magazin Südafrika erwache heraus. Leibbrandt veröffentlichte im Jahre 1962 seine Lebenserinnerungen unter dem Titel »Keine Gnade«.
Am 1. August 1966 wurde Robey Leibbrandt in Ladybrand, Provinz Freistaat, zur großen Armee abberufen.
Ralph Tegethoff









